Unser Auenland
 

Eine neues Hotel für Bad Bramstedt?

Für die Aufstellung eines neuen Bebauungsplanes für das Auenland soll mit dem Investor aus Berlin ein Durchführungsvertrag geschlossen werden. In diesem Durchführungsvertrag sollen Forderungen an den Investor festgeschrieben werden, welche Leistungen dieser zu erbringen hat, wenn er im Gegenzug von der Stadt das Baurecht im Auenland erhält. Immer wieder wird dabei von der Stadtverwaltung die Forderung nach dem Bau eines Hotels genannt, welches der Investor errichten soll. Offenbar hält die Stadtverwaltung den Bau eines weiteren Hotelgebäudes in Bad Bramstedt für eine wichtige Infrastrukturmaßnahme. Es fragt sich, ob diese städtische Forderung tatsächlich sinnvoll ist.


Bedarf
Damit eine Infrastrukturmaßnahme erfolgreich ist, sollte zunächst der entsprechende Bedarf ermittelt werden. Leider hört man von der Stadt nichts dazu, dass eine solche Bedarfsanalyse überhaupt jemals vorgenommen wurde. Wenn eine solche durchgeführt worden sein sollte, wäre es jedenfalls für den interessierten Bürger hilfreich, wenn diese auch öffentlich zugänglich gemacht würde. Die Stadtverwaltung begründete ihre Forderung nach einem Hotelneubau bislang vor allem damit, dass vermutlich Waldemar Link, ein Prothesen- und Medizinprodukthersteller, demnächst einen Standort in Bad Bramstedt errichte. Es sei deshalb möglich, dass zukünftig in Bad Bramstedt medizinische Kongresse stattfänden oder hospitierende Ärzte eine vorübergehende Unterkunft bräuchten. Dafür sei dann ein Hotel in Kurgebietsnähe nötig. Mit anderen Worten wird kein aktueller, sondern lediglich ein zukünftig erhoffter Bedarf zum Anlass für eine solche Baumaßnahme herangezogen. Die Rechnung der Stadt enthält indes viele sehr zweifelhafte Annahmen: Wird Waldemar Link überhaupt tatsächlich nach Bad Bramstedt kommen (bislang wurde mit keinerlei Baumaßnahme begonnen)? Wenn ja, was entsteht dann tatsächlich in Bad Bramstedt (Nur ein Hochregallager, eine Produktionsstätte, eine Entwicklungsstätte)? Finden dann wirklich regelmäßig „Kongresse“ statt und wieviele hospitierende Ärzte kommen denn tatsächlich nach Bad Bramstedt, die ein Hotel auslasten könnten? Wie viele regelmäßige Hotelübernachtungen sollen nach den Vorstellungen der Stadt von Mitarbeitern Waldemar Links überhaupt getätigt werden? Fragen über Fragen. Ebenso hat die Stadt – abgesehen von Wunschträumen der Stadtverwaltung – keinerlei konkrete, belast- und belegbare Antworten auf diese Fragen gegeben.


Vorhandene Struktur
Dies führt dann zu einer weiteren Frage: Gibt es in Bad Bramstedt denn keine ausreichende Anzahl von Hotelbetten, um den von der Stadtverwaltung ins Blaue hinein behaupteten zukünftigen Bedarf zu decken, dessen Höhe ebenfalls noch nicht bekannt ist? Gibt es keine alternativen Standorte für einen Hotelneubau? Neben den vielen privaten Pensionen und dem Hotel Happy, Hotel Zum Wappen, Hotel Moin Moin (ehem. Freese) und dem Hotel Tanneneck gibt es noch das Tagungshotel Köhlerhof in Bad Bramstedt. Sämtliche Hotels haben wirtschaftlich sehr zu kämpfen, um überhaupt überleben zu können. So sind in den letzten Jahren viele Hotels in Bad Bramstedt geschlossen worden (Hotel Gutsmann im Kurgebiet und Hotel Zur Post), andere haben in den letzten Jahren z.T. mehrfach den Besitzer bzw. Betreiber gewechselt (Hotel Moin Moin, ehem. Freese, Hotel Happy, Hotel Tanneneck). Dies sind sicherlich keine Anzeichen für ein vielversprechendes wirtschaftliches Umfeld für Hotelbetreiber in Bad Bramstedt. Dass sich der Betrieb eines Hotels für Kurgäste nicht lohnt, zeigt bereits das Beispiel des Hotels Gutsmann, das – mitten im Kurgebiet gelegen – mittlerweile eine Ruine ist, da die ehemaligen Betreiber einen Weiterbetrieb nicht für lukrativ hielten. Im Wohn- und Golfpark Bissenmoor ist ein geplanter Hotelneubau letztlich gescheitert, weil der Privatinvestor keine hinreichende Erfolgsaussicht der Pläne sah.


Alternative Standorte
Es stellt sich weiterhin die Frage, ob ein solcher Hotelneubau nicht auch an anderer Stelle in Bad Bramstedt möglich wäre, abseits von gesetzlich geschützten Biotopen wie im Auenland. Solche Standorte gibt es bereits jetzt zweifelsfrei. So sieht der rechtskräftige Bebauungsplan für Bissenmoor einen Hotelneubau vor. Auch das abbruchreife Hotelgebäude Gutsmann dürfte aufgrund Bestandsschutzes ohne weiteres wieder aufgebaut werden. Darüber hinaus hat der Planungs- und Umweltausschuss Bad Bramstedts in seiner Sitzung vom 16.05.2022 einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan im Kurgebiet gefasst, der einen Hotelneubau mit 98 Betten vorsieht.


Folgen für Bad Bramstedt
Vor dem Hintergrund der schwierigen wirtschaftlichen Ausgangslage für Hotels in Bad Bramstedt stellt sich zwangsläufig die Frage, welche Folgen die Errichtung eines Hotelneubaus für die bestehenden Betriebe hätte. Das Tagungshotel Köhlerhof mit seiner fast 50 Jahre alten Gebäudesubstanz bekäme sicherlich eine schwere Konkurrenz durch einen solchen Hotelneubau. Dies käme genau zu einer Zeit, in der das Hotel ohnehin mit Renovierungsstau zu kämpfen hat. Wenn aber der Köhlerhof in wirtschaftliche Schieflage geriete, dann drohte Bad Bramstedt eine riesige Bauruine aus Sichtbeton, die weithin über die Stadtgrenzen Bad Bramstedts sichtbar wäre.


Fazit
Ein Hotelneubau im Auenland ist nicht notwendig, da er es alternative Standorte zu Hauf gibt und eine solche Planung völlig am bestehenden Bedarf vorbei erfolgte. Im Gegenteil – er wäre schädlich für Bad Bramstedt, weil er den bestehenden Häusern in der Innenstadt die wirtschaftliche Grundlage entzöge und dem bereits jetzt kämpfenden Köhlerhof buchstäblich den Todesstoß versetzen könnte. Weitere Leerstände in der Innenstadt und eine riesige Bauruine Köhlerhof wären die möglichen Folgen.

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