Unser Auenland
 

Knickschutz ist Lebensraumschutz

Unser schönes Schleswig-Holstein wird geprägt von einem besonderen Ökosystem – leider wird es von den meisten Menschen als solches wenig wahrgenommen.
Die Knicks und Wallhecken sind Ökosystemtypen die sich noch heute in eine Länge von 45.000 km durch Schleswig-Holstein erstrecken. Leider werden bei Flurbeseitigung und Straßenbauten über 30.000 km Knicks beseitigt. Das bedeutet eine Einbuße von 40% des Ausgangbestandes Mitte der 40er Jahre dieses Jahrhunderts. Dabei ist die ökologische Bedeutung als Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen besonders wichtig.


Laut NABU Schleswig-Holstein wird die Zahl der in Knicks bewohnenden Tierarten Schleswig-Holsteins auf ungefähr 7.000 geschätzt, davon können auf nur einem Kilometer einer Wallhecke etwa 1.600 – 1.800 Arten leben.


In dem geplanten Neubaugebiet Segeberger Straße / Hamwinsel finden zurzeit viele Tierarten in den Knicks und Wallhecken ein Zuhause und so wird es hoffentlich auch bleiben.
So ein Knick ist nicht nur eine Ansammlung von Pflanzen. Sie verbindet als Korridore verschiedene, verstreute gelegene Lebensräume. So ist das Knicknetz in seiner ökologischen, aber auch kulturgeschichtlichen und landschaftsästhetischen Bedeutung von unschätzbarem Wert.
Einen Knick kann man nicht einfach umsetzen. Der ökologische Eingriff durch Knickordnung kann nur gelindert aber nicht ausgeglichen werden, durch die Neuanlage eines gleichlangen Knicks.
Bis zum Erreichen einer gleichhohen Biodiversität braucht ein neuer Knick bei gleicher Gehölzvielfalt 50 – 100 Jahre. Sollten die Knicks und Wallhecken in dem geplanten Neubaugebiet Segeberger Straße/Hamwinsel entfernt werden, wird ein Lebensraum zerstört der vor allem für unsere Nachkommen nicht mehr zu reparieren ist.
Im Bundesnaturschutzgesetz ist sogar folgendes festgelegt: Gesetzliche Grundlage für den Knickschutz ist das Bundesnaturschutzgesetz §30 BnatSchG vom 01.03.2010 und das Landesnaturschutzgesetz §21 Abs. 4 und 5 vom 27.05.2016. Danach sind Zerstörungen oder sonstige erhebliche oder nachhaltige Beeinträchtigungen von Knicks verboten.
Ich frage mich, wie soll dort ein Neubaugebiet entstehen, wenn die Entfernung von Knicks verboten ist?


Wird das Neubaugebiet Wirklichkeit, bedeutet es das aus für viele Arten:

  • Laubheuschrecken, Wanzen, Zikaden
  • Blattläuse, Schildläuse
  • Käfer
  • Schmetterlinge
  • Hautflügler
  • Mücken, Fliegen
  • Hundertfüßer, Tausendfüßer, Asseln
  • Weberknechte
  • Spinnen
  • Schnecken
  • Amphibien, Reptilien
  • Vögel
  • Säugetiere

Vielfalt bedeutet Leben 

...und Leben bedeutet am Leben sein,lebendig sein, nicht tot sein, (als Lebewesen) da sein, existieren.
Knicks verkörpern Tradition und Heimat, Schönheit und Erholung und sind ein wichtiges Erkennungsmerkmal der schleswig-holsteinischen Kulturlandschaft.
Mehrere 100 Pflanzenarten gedeihen im Knick. Im Frühling verwandelt der Knick sich in eine weiße Blühlandschaft. Weißdorn, Schlehe und Holunder locken zahlreiche Gäste an. Im Sommer erstrahlt der Knick im satten Grün, blühende Kräuter schmücken den Saumstreifen. Im Herbst wetteifern die reifen Beeren um die Wette und warten darauf gepflückt zu werden.
Und nicht zu vergessen die „Überhälter“, knorrig, oft über 100 Jahre alte Knickeichen, die dem Knick ihre Schönheit verleihen und einen hohen ökologischen Wert haben. In einer Knickeiche leben bis zu 400 Tierarten!


Weil die Knicks ursprünglich als Viehzäune dienten, wachsen hier viele Sträucher mit Dornen und Stacheln. Wenn die Bäume noch kahl sind blühen die Buschwindröschen, das Scharbockskraut, Taubnesseln und der Gundermann. Auf der anderen Seite vom Knick, der sogenannten „Knickflanke“ gedeihen viele Gräser und Stauden wie z.B. die Brennnesseln.
„Mit dem Wissen kommt das Denken“, sagte damals Alexander von Humboldt.
Vielleicht gehen sie jetzt mit einem anderen Blick im Hamwinsel / Segeberger Straße spazieren und erfreuen sich an unserem grünen Band zwischen den Meeren – denn Knickschutz ist Lebensraumschutz!



Quelle:
Neuer Biologischer atlas, Ökologie für SH und HH, Bernd Heydermann
https://schleswig-holstein.nabu.de))...knickschutz und Knickpflege
Knicks, Schleswig-Holsteins wilde Hecken

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