Unser Auenland
 

Ich mach‘ mal wieder Wasser:

 

Heute über Renaturierungen im allgemeinen und speziellen.

Die Renaturierung der Ohlau und Hudau im Stadtgebiet liegt jetzt etwa 3 Jahre zurück und es lohnt sich durchaus einen Blick auf die jetzige Situation vor Ort zu werfen.
Der dortige Zustand des Fließbettes wird nach ähnlicher Zeit in der im letzten Jahr renaturierten Schmalfelder Au wohl ebenfalls zu beobachten sein.
Aber eins nach dem anderen, auf den folgenden Bildern sieht man, worum es eigentlich geht:

 

Es sollen also Gewässerstrukturen verbessert werden und Lebensräume für Fische und Wirbellose aufgewertet werden. Mit den Wirbellosen sind in diesem Fall die hier noch vorkommenden Neunaugen gemeint. Diese Tiere vermehren sich hier noch nachweislich, dafür brauchen sie zwingend kiesigen Untergrund mit einer guten Umspülung für die Sauerstoffversorgung des Nachwuchses.

Jetzt werfen wir einen Blick auf die Umsetzung der Maßnahme:

Diese Bilder zeigen, wie neue Mäander angelegt wurden und an vielen Stellen Steine und Kiesschüttungen eingebracht wurden. Auf dem vierten Bild sieht man eine große Steinschüttung im Uferbereich, das ist der Zugang zur Überflutungsfläche vor dem Köhlerhof.
Ebenfalls sehr gut zu erkennen sind Steinschüttungen, die zum Schutz der Uferlinie eingebracht sind, aber eben nicht überall.

Auf dem ersten Bild ist zu sehen, dass der Bereich des Prallufers nicht mit einer Schüttung versehen wurde. Das ist mit Sicherheit bewusst gemacht worden, um eine Auskolkung in dem Bereich zu ermöglichen. Dadurch entstehen, mit der Zeit, kleine Abbruchkanten, die manche Vogelarten zum Bruthöhlenbau benötigen (z.B. der Eisvogel). Man kann den Effekt auf dem zweiten Bild schon recht gut erkennen, obwohl es nur einige Wochen nach der Baumaßnahme gemacht wurde. Leider hat so eine Konstruktion aber auch erhebliche Nachteile für den gesamten Aukörper und dessen Hydraulik.

Wie man hier gut sehen kann, bricht durch solche Auskolkungen immer mehr Erdreich ab und fällt in die Au. Beim nächsten Hochwasser geht es genau so weiter, wobei das Material im Bett der Au landet und z.T. abgeschwemmt wird.

Links ein frisch angelegtes Kiesbett, auf dem Neunaugen und Salmoniden laichen sollen. Rechts sieht man, was passiert, wenn in solchen Bereichen die Strömung nicht hoch genug ist. Die eingebrachten Sedimente legen sich, wie ein Leichentuch über die Kiesschüttungen. Hier wird mit Sicherheit kein Neunauge und auch keine Forelle ablaichen, schade.

Die Kiespackung im Zugang zur Überflutungsfläche am Köhlerhof, links wenige Wochen nach dem Bau und rechts nach dem ersten Hochwasser im Herbst. Diese Sedimente kommen natürlich nicht ausschließlich aus dem Bereich der Renaturierung, sondern werden auch von oberhalb eingeschwemmt. Aus diesem Grunde empfiehlt ein Leitfaden des Ministeriums auch den Einbau einer Sedimentfalle oberhalb solcher Umbaumaßnahmen. Ganz vereinfacht ausgedrückt senkt man in so einer Konstruktion die Fließgeschwindigkeit ganz deutlich ab, wodurch das Sediment eben schon dort liegen bleibt und nicht auf den sensiblen Flächen im Bereich der Renaturierung. Aus solchen Anlagen muss natürlich in gewissen Abständen das angefallene Sediment entnommen werden, sonst funktionieren sie nicht mehr. So einen Sandfang gibt es auch an der Ohlau:

Ganz offensichtlich scheint er aber nicht so zu funktionieren wie er soll und das hat leider einige sehr unschöne Konsequenzen.

Die Konsequenzen zeigen sich erst nach Jahren. Dort wo Engstellen im Fließbett sind und sich die Sedimente abgelagert haben, dort wird es immer enger. Links die Drei Auen Brücke, wie lange die Fundamente solche Wasserstände ohne Schaden überstehen ist die Frage. Auch die Folgeschäden zeigen sich erst ganz langsam, wie beim Schimmel in der Wand. Rechts die Brücke Oskar-Alexander-Straße, da ist auch nicht mehr viel Luft…
Gut, das war jetzt der Versuch die Ursachen für immer höhere Wasserstände mal etwas „griffiger“ zu erklären. Ein Ziel beim Wassermanagement muss also sein, die Niederschläge bei Starkregen möglichst lange von den Auen weg zu halten, damit dort nicht noch größere Belastungen des Wasserkörpers eintreten.An etlichen Stellen verschlickt die Au regelrecht und dadurch verkleinert sich der Querschnitt des Au Bettes. Sehr schön zu sehen auf dem letzten Bild, aufgenommen direkt unter der Drei Auen Brücke. Das Unschöne daran tritt dann beim nächsten Hochwasser zu Tage: Die Wasserstände (bei gleicher Regenmenge bzw. Zuflussmenge) werden von Hochwasser zu Hochwasser immer höher, ganz langsam und zuerst kaum merklich, wenn man es nicht sehen will. Aber das ist ja bei Tierbeobachtungen das Gleiche, da sieht auch nur der, der sehen will.

Das kann dann so aussehen. In diesen Bereichen steht das Wasser auf den sogenannten Auwiesen für einige Zeit und fließt erst dann in die Auen. Die beiden Bilder sind übrigens direkt im geplanten Neubaugebiet am Hamwinsel entstanden, diesem angeblich so wertlosen Stück Wiese. Das war im April diesen Jahres, es war das vierte Hochwasser diesen Kalibers in 2022.


Aus meiner Sicht ist es auch notwendig nochmal ganz klar darauf hinzuweisen, dass niemand gegen diese Renaturierungen oder moderates Wachstum der Stadt ist, man muss nur erkennen und verinnerlichen, dass dann einige andere Dinge schlichtweg nicht mehr gehen, und genau dazu gehört das Neubaugebiet Hamwinsel.
Abwarten und zuschauen was mit dem Wasserstand in der Stadt passiert, wenn das dort alles zubetoniert wird. Es liegt alles so klar ersichtlich auf dem Tisch, man muss es nur sehen wollen, manchmal möchte ich so hier und da am Kopfe klopfen und um das Einschalten des Energiezuflusses ersuchen….
Ach ja, zum Abschluss ein Bild vom 23. Dezember 2014, aufgenommen am frühen Abend im Schlüskamp… na denn mal los.

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