Unser Auenland
 

MEINUNGEN VON BÜRGERN

Geboren oder Zugezogen? 05.06.2022

“Wer ist eigentlich gebürtige*r Bad Bramstedter*in?”
Ich nicht. Ich bin noch nicht einmal gebürtige Schleswig-Holsteinerin, sondern komme aus NRW. In Bad Bramstedt lebe ich erst seit knapp 10 Jahren, mein Mann und ich haben hier ein Haus gekauft.
Das macht man als durchschnittlich verdienendes Paar nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil man sich dazu entscheidet, in einem Ort leben zu wollen. Wir haben nicht geerbt, oder sind hier geblieben, weil wir schon immer hier waren oder der Arbeitsplatz hier ist. Nein, wir haben uns bewusst entschieden, in Bad Bramstedt leben zu wollen. Weil uns die Stadt gefällt. Klein, aber nicht zu klein. Ruhig, aber nicht völlig abgelegen. Als zugezogene Person hat man es in Kleinstädten nicht immer ganz leicht- aber wir sind hier doch sehr herzlich aufgenommen worden. Für die meisten Menschen hat es keine Rolle gespielt, ob wir hier aufgewachsen sind oder nicht. Wir sind angekommen, fühlen uns wohl.

Anfang des Jahres wurde bekannt gegeben, dass ein großes Neubaugebiet am Ende der Segeberger Straße gebaut werden soll. Ein Teil der Strecken, auf denen ich gern laufen gehe. Die grünen Wiesen sollen einem Wohnquartier weichen, moderne Standards, hohe Bebauung, um die 2000 Leute mehr. Die Idee gefällt mir ganz und gar nicht.
Die wunderschöne Landschaft mit den Auen, den Wiesen und Wäldern- das war einer der Gründe, die diese Stadt so attraktiv gemacht haben.

Tue ich mich schwer mit Veränderungen?
Jein. Wenn man mich in den Wahnsinn treiben will, schmeißt man Pläne extrem kurzfristig mal eben völlig über den Haufen. Mit langfristigen und großen Veränderungen komme ich, sofern sie nicht völlig gegen meine Überzeugungen gehen, hingegen sehr gut klar. Ich bin über 300 Kilometer weit weg gezogen und habe mich im Leben kontinuierlich weiterentwickelt.
Nein, Veränderungen, die ich nachvollziehen kann, machen mir keine Angst. Aber ich habe gelernt, zu entscheiden, welche Veränderungen ich freudig begrüße, welche ich hinnehme und bei welchen ich protestiere. Gegen das “Auenland Quartier”, so der werbewirksame Name für das Neubaugebiet am Ende der Segeberger Straße, sprechen meiner Wahrnehmung nach einfach deutlich mehr Argumente, als es Argumente dafür gibt.

Darf ich als “Zugezogene” etwas gegen ein riesengroßes Neubaugebiet haben? Verweigere ich etwa anderen das Recht, herzuziehen- und das, nachdem ich davon Gebrauch gemacht habe? Weder die “zugezogenen” noch die “gebürtigen” Bad Bramstedter*innen in der Bürgerinitiative haben etwas gegen Zuzug oder Wohnraumschaffung. Zuzug ist nicht das Problem- der Standort und die Idee des “Quartiers” schon.

“Wer ist eigentlich gebürtige*r Bad Bramstedter*in?”
Ich nicht. Aber die Stadt liegt mir am Herzen.


Gedanken zur Bürgerbeteiligung 03.06.2022

Unsere Chance - Ein zweites Mal wurde unser Kurhaustheater mit Informationen und Emotionen bezüglich des geplanten Neubaugebiets im Auenland geflutet. Raum für Fragen und Äußerungen wurden gegeben und genommen. Die meisten Gedanken warteten hinter Ausschweifungen und bleiben ungehört. Es geht um Raum, der entstehen und genommen werden soll. Um unser Wachstum. Über allem Für und Wider wächst Bad Bramstedt längst schneller und größer, als die Strukturen der Stadt es hergeben. Umgeben und durchzogen von Wasser, steckt dieses, mit der Berufserfahrung mehrerer Milliarden Jahre, Grenzen ab. Dazu kann niemand vorhersehen, was uns das Klima der Zukunft noch an Wassermengen bringen wird. Mit jeder weiteren Versiegelung aber, steigt das Risiko damit nicht klar kommen zu können. Ich möchte nicht gegen größenverliebte Stadthelden krakeelen, oder die Harmonie im Rathaus trüben. Ich möchte unser aller Lebensraum ehrlich wahrgenommen wissen. Ich wünsche mir Menschen mit einem sorgfältigen Blick auf den Ist Zustand. Die sich trauen das vorhandene Bad Bramstedt wirklich nach vorne zu bringen. Wir haben die Chance unser Fleckchen verantwortungsvoll zu respektieren. Halten unsere Nachfahren aber irgendwann einen Bildband -Bad Bramstedt in den Gezeiten- in der Hand, haben wir die Chance verpasst.


Frühstück im Prinzessinnen Land 30.05.2022
Der Rucksack ist gepackt....auf geht's!
Am Eingang begrüßt mich der Fasan mit seinem lauten Ruf und von weitem beobachtet mich Meister Lampe, die Schwalben sind auf der Jagd nach Insekten.
Der Hahnenfuß und der hübsche Wiesen-Sauerampfer blühen mit den Gräsern um die Wette. Ich beobachte das kleine Wiesenvögelchen, dass aufgeregt hin und her fliegt. Meine Füße sind schon ziemlich nass - leider hatte ich nicht an Gummistiefel gedacht.
Hinter einer Baumreihe alter Eichen, finde ich ein schönes trockenes Plätzchen zum frühstücken.......die Vögel singen und zu meinen Füßen tummeln sich die Spinnen, die leider von mir aufgescheucht wurden.
Als ich von meinem Brötchen abbeiße schaut mich ganz verdutzt eine Ricke an und kommt neugierig ein paar Schritte auf mich zu.
Schön ist das hier - im Prinzessinnen Land.....noch ist es hier schön!
Fauna und Flora hat hier ein Zuhause gefunden. Es hat sich eine Lebensgemeinschaft entwickelt, die von Menschenhand geschaffen wurde. Kaum vorstellbar das Menschen diese Fläche wieder zerstören wollen.
Zum Abschied landet eine blaue Libelle vor meinen Füßen. Leider habe ich mein Bestimmungsbuch nicht dabei....aber beim nächsten mal.
Ich werde wieder kommen - mit Gummistiefel !!!



MEINUNG - WER SOLL DA WOHNEN? 20.05.2022

Bei der ersten Vorstellung des “Auenland-Quartiers” klang alles noch schlüssig. Die nächste Generation Bad Bramstedter*innen sollte die Chance auf Wohnraum vor Ort bekommen, um nicht aus der Stadt wegzuziehen, Mitarbeiter*innen der Firma LINK und des Klinikums sollten arbeitsplatznah wohnen können, geplant seien bis zu 30% Sozialer Wohnungsbau und auch Senior*innen, die in kleinere Wohnungen ziehen möchten, sollen einen altersgerechten Wohnsitz bekommen…
Bad Bramstedt braucht Wohnraum, und diese Ideen klangen klar nach der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.
Bis auf einige Ausnahmen dürften die Einkünfte der Mitarbeiter*innen von LINK und im Klinikum Bad Bramstedt doch eher im Bereich des Mittelstandes angesiedelt sein- und dann fiel in der Bürgerinformationsveranstaltung ein Satz mit ungefähr diesem Wortlaut, der mich zweifeln ließ: “Bezahlbarer Wohnraum wird an dieser Stelle eher nicht zu realisieren sein.”
Aber ist es nicht genau das, was wir brauchen?

BEZAHLBARER Wohnraum für Berufstätige?
Auf der Website der Auenland-Initiative fand ich eine Berechnung, die meine Sorgen bestätigte. Ein durchschnittlicher Haushalt kann sich kein Eigentum leisten und auch die voraussichtlichen Mieten dürften reichlich hoch ausfallen. Für Singles sieht es richtig schlecht aus, dabei haben Singles oder Alleinerziehende auf dem Wohnungsmarkt ohnehin schlechte Chancen.
Alleinerziehend sind noch immer häufig Mütter, die oft nicht in Vollzeit arbeiten können, um die Kinderbetreuung abzudecken. Der Mangel an Schul- und Kitaplätzen, der nicht nur räumlich bedingt ist, sondern auch durch Fachkräftemangel verschärft wird, verhindert schnell ein “vollwertiges” Einkommen für das alleinerziehende Elternteil.
Vor dieser Perspektive wäre das Neubaugebiet als zutiefst frauenfeindlich und rückschrittlich einzustufen!
Ach ja, ich vergaß. Es bleiben ja die Sozialwohnungen. Bei den erhofften 30% und 500 angekündigten Wohneinheiten wären dies 150 Wohnungen.
Das macht schon einiges aus und mit Sozialwohnungen kann man nicht wirklich Geld verdienen. Dieses müsste über die Kosten für anderen Wohnraum eingenommen werden, was das Wohngebiet für den “Durchschnittshaushalt” wieder unattraktiv macht.
Wer soll da eigentlich hinziehen?
Die Antwort findet man in Nebensätzen. Hamburger Bürger*innen, denen Hamburg zu teuer ist!
Die Probleme der Bad Bramstedter*innen und der Familien aus dem direkten Umland, der Mitarbeiter*innen im Klinikum und zukünftig auch bei LINK würden in diesem Fall nicht gelöst. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich halte Wohnen für ein Menschenrecht und habe nichts gegen Zuzug einzuwenden. Die Probleme anderer Bundesländer zu lösen und die eigenen dadurch zu verschärfen halte ich jedoch für den falschen Ansatz.
Perspektivisch würden wir damit auch den Zugezogenen keinen Gefallen tun.
Für wen ist das Neubaugebiet gedacht, wer bleibt auf der Strecke?
Liebe Bürgerinitiative, können Sie diese Fragestellung in einem geeigneten Rahmen anbringen und beantworten lassen? Ich möchte aus beruflichen Gründen ungern persönlich in Erscheinung treten.


Unser Kommentar:
Vorweg: Wir haben nichts gegen jemanden, der seine Heimat sucht und hier findet. Auch wir sehen den angespannten Wohnungsmarkt. Auch wir bezahlen die teuren Mieten. Wir haben schon nachgefragt, was denn "bezahlbarer Wohnraum" ist. Bisher waren die Antworten ernüchternd ausweichend: Es geht immer nur um die Sozialwohnungen, aber wo bleibt "der Mittelstand"? Kann sich das Pärchen aus Handwerker und Altenpflegerin ein Häuschen dort leisten? Oder sind dann Kinder zu teuer? Wir bleiben dran!

MEINUNG - LEBENSRAUM I,  13.05.2022
Lebensraum für viele geschützte Arten
Die Feuchtwiesen in dem Neubaugebiet Segeberger Straße sind einzigartige Biotope.
Diese Wiesen sind zeitweise überschwemmt und können auch bei Starkregen viel Wasser sammeln. Für den Rest des Jahres bleibt der Boden feucht bis nass.
Diese Feuchtwiesen leisten als Ausgleichsfläche schon jetzt gute Dienste.
Die Natur in diesem Gebiet steht derzeit vielen Bedrohungen gegenüber. Durch Fällungen der Baumbestände und durch die Versiegelung der Fläche wird eine wertvolle Naturzone für Fauna und Flora vernichtet.
Die Feuchtwiesen brauchen die Ausweisung eines Schutzgebietes. Denn wir haben eine hohe Verantwortung, wenn wir zukünftigen Generationen hier eine gesunde, lebendige und artenreiche Welt hinterlassen wollen!

Unser Kommentar:
Hallo, liebe/r Kommentierende/r, wir sind dran mit professioneller Hilfe genau diese Punkte aufzugreifen. Es ist natürlich ein guter Teil Arbeit, die Biotope mit ihrer Flora und Fauna  vorzustellen. Hier werden wir auch zwischen den geschützten und den schützenswerten Tier- und Pflanzenarten unterscheiden. Wir würden es auch sehr schade finden, wenn dieses Kleinod an Natur verschwinden würde! 



MEINUNG - VERKEHR I,  13.05.2022

Guten Tag, ich bin eine Anwohnerin der Straße “Butendoor” und als solche unmittelbar vom geplanten Neubaugebiet an der Segeberger Straße betroffen. Ich habe mehr Fragen als zufriedenstellende Antworten im Kopf und mache mir Sorgen um die zukünftige Lebensqualität der bereits hier lebenden Menschen.

Nehmen wir doch mal die Verkehrsanbindung.
Das sogenannte “Auenland Quartier” soll ein “Leuchtturmprojekt” werden. “Naturnah”, “Klimaneutral”, “Nachhaltig”, “Generationenübergreifend” und “auf Familien ausgerichtet”- das sind nur einige der Schlagwörter, die zum Bewerben des Mega-Projektes genutzt werden.Das klingt toll, finden Sie nicht auch?


Der neue Ortsteil soll allen Bad Bramstedter*innen zur Verfügung stehen und kein Satellit werden. Was im ersten Moment einladend wirkt, bekommt rasch einen absurden Beiklang. Ein hermetisch abgeriegelter Stadtteil mit Personenkontrolle würde doch merkwürdig anmuten. Was braucht es denn eigentlich, damit ein Siedlungsgebiet allen zur Verfügung steht? Genau, eine Verkehrsanbindung! Und zwar nicht irgendeine, sondern eine möglichst kurze, wir wollen ja so barrierefrei wie möglich sein.
Die “billigste” Lösung mit dem kleinsten Umweg ist die Öffnung der Segeberger Straße. Seit dem Neubau der Ortsumgehung ist die Segeberger Straße kurz hinter der “Grünen Halle” eine Sackgasse, mit dem PKW kommt man nicht weiter.
Trotzdem können wir am Butendoor nicht darüber klagen, dass die Straße wenig befahren ist. Anwohner*innen und Besucher*innen, Mitarbeiter*innen und Gäste der Kliniken, Menschen, die zur Bahn wollen, in den Wald hinter der Klinik, um mit den Hunden Gassi zu gehen… Wer die Straße von früher kennt, weiß, dass es mal “die Bundesstraße”, die B 206 war. Verglichen mit den damaligen Zuständen ist es nun paradiesisch ruhig, ein großer Gewinn an Lebensqualität. Lärm macht krank, das ist wissenschaftlich bewiesen. Abgase auch. Bislang wurde die Frage nach der geplanten Verkehrsanbindung nicht öffentlich beantwortet, es sei noch nichts entschieden. Es gäbe verschiedene Möglichkeiten und außerdem solle weniger Auto gefahren werden. Das neue Wohngebiet soll auf Elektromobilität ausgerichtet sein, E-Autos sind leiser und naturgemäß gibt es keine Abgase, die Feinstaubbelastung ist deutlich geringer (nicht bei Null, denn den Abrieb von Bremsen und Reifen gibt es weiterhin). Aber E-Autos sind auch teuer und zur Fertigstellung des Wohngebietes wird noch lange nicht jeder Haushalt ausschließlich auf E-Mobilität ausgerichtet sein.
In einem Punkt bleiben Autos allerdings Autos- die Kollision mit Verbrenner oder E-Auto ist für Mensch und Tier lebensgefährlich. Sicher, Hunde kann man anleinen, Kinder erziehen und über die Frage, ob Katzen Freigang haben sollen, lassen sich leidenschaftliche Diskussionen führen. Wäre es so einfach, hätten wir nur wenige Unfälle auf den Straßen. Meist ist es doch menschliches Fehlverhalten, das zu Unfällen führt, egal ob die verursachende Person im Auto oder außerhalb ist. Je komplexer die Verkehrssituation, um so höher die Unfallgefahr.
Außerdem möchte ich als Anwohnerin ehrlich gestanden auch noch mit meinem Auto vom Grundstück kommen, die Ausbauqualität des hiesigen ÖPNV ist leider immer noch eine große Hürde auf dem Arbeitsweg und der Arbeitsmarkt in Bad Bramstedt ist für viele Qualifikationen auch nicht unbedingt lukrativ. Die Kreuzung Butendoor/B4 gilt bereits als überlastet. Wer im Feierabendverkehr von der Kieler Straße Richtung Norden unterwegs ist, hat dies sicher schon miterlebt. Bei einem Stau auf der A7 staut es sich auch gern mal bis zum Kreisel Richtung Bissenmoor.
Das neue Feuerwehrgerätehaus wird an der Kieler Straße gebaut- schon jetzt sorgen sich viele Einwohner*innen um die Erreichbarkeit im Ernstfall.
Mit dem Neubaugebiet und dem neuen Gewerbegebiet wird der Verkehr zunehmen.Und dann? Was, wenn es brennt? Wenn ein Rettungswagen kommen muss? Heißt “Tatü-Tata” dann nicht nur im Bereich des bittersten Humors “zu-spät, zu-spät”? Bad Bramstedt muss wachsen, ja. Aber zu welchem Preis?

Unser Kommentar:

Hui... Das ist gleich eine ganze Menge! Die Vekehrssituation in dem Bereich, aber auch für ganz Bad Bramstedt zu beurteilen ist sicherlich nicht leicht. Infrastruktur ist halt nicht nur Straße, sondern viel mehr. Dazu gehören auch unter anderem die Rettungsdienste und der ÖPNV mit rein. Wir werden gerne gucken, welche Informationen zugänglich sind, damit wir das Thema genauer beleuchten könne

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